Home    Wir    Neues    Termine    Kritiken    Anschauen    Anhören    Veranstalter    Kontakt    Bestellen

 

mit links
z tod gfiacht
Warz und Schweiß
In Himmö
Auftritte

 

 

Christoph Winder, "Der Standard", 9. 12. 2011

Georg Kreisler ist tot, aber das böse Wienerlied lebt weiter, dem Trio Lepschi sei Dank. Die zweite CD der Formation, Z tod gfiacht, besticht mit großartig-grimmigen Texten und musikalischer Virtuosität.

 

Mirjam Jessa, "Spielräume", 30. 11. 2011

Das ist ein weiteres äußerst vitales Lebenszeichen des Wienerlieds, auch wenn der Titel des neuen Lepschi-Albums "Z tod gfiacht" auf das Gegenteil anspielt. Von der Wiege bis zur Bahre steht die gesamte Existenz am Spielplan. Das Wienerische wird bis in die hintersten Winkel ausgeleuchtet und auch musikalisch legen sich die drei (mit Gästen) wirklich ins Zeug.

 

Gerald Schmickl, "Wiener Zeitung", 4. 11. 2011

Weich tönende Kittelfürze

Das Trio Lepschi erweist sich auf seinem zweiten Album, "z tod gfiacht", musikalisch noch variabler - und besingt Wiener Mentalitäten in allen Tonlagen: vom Gstanzl über Hymnen bis zum Schüttelreim.

Bisher wurde kein Einwohner von Herrnbaumgarten im niederösterreichischen Weinviertel als abgängig gemeldet. Daher ist der Menschenfleisch-Appetit, den das Trio Lepschi im Lied "I friss" so aromatisch besingt, wohl doch nur seiner kannibalistischen Fantasie entsprungen: "A Lungerl, a Zungerl, a Hearzerl,/ a Kopferl, a Schopferl, a Schearzerl,/ a Hianderl, a Nianderl, a Backerl,/ a Goderl, a Hoderl, a Sackerl" werden da - als kleine Kostprobe in schneller, fast rapartiger Abfolge - zum Verzehr empfohlen, mit der schönen, human-theologischen Begründungspointe: "Da Mensch hot den Menschn zum Fressn gean,/ da Heagott, der wüüs hoid a so."

Immerhin ist dieses Lied, ebenso wie die anderen 15 von der neuen CD, "z tod gfiacht", in einer Küche aufgenommen worden, und zwar in einem Vierkanthof in besagtem Herrnbaumgarten, wo sich die Trioherren Martin Zrost, Stefan und Thomas Slupetzky für knapp zwei Wochen im Frühherbst einquartiert haben, um ihr neues Album einzuspielen. Der Winzer Gottfried Umschaid (übrigens auch Betreiber des lokalen "Vereins zur Verwertung von Gedankenüberschüssen") hatte ihnen seinen Hof dafür zur Verfügung gestellt, und die Küche fungierte als Tonstudio. Gegessen wurde dort aber weder Menschenfleisch noch sonst sehr viel: die Musiker hielten sich, nach eigener Auskunft, eher an die winzerischen Erzeugnisse ihres spendablen Wirten, weshalb auch die Textzeile aus "Ka Netsch" (Nr. 5) nicht ganz den Tatsachen entsprechen kann: "Ka Netsch, ka Kies, ka Schoda, ka Göd,/ a Schwü, a Rausch, a Seichn,/ da Wiat, dea hosst mi scho wie nix auf dera Wöd,/ muagn suach i ma an neichn." Sie blieben freilich beim alten: denn dieser Wirt, der Wein und das dazugehörige Viertel haben das Trio so sehr inspiriert, dass es sich dort keineswegs auf Lepschi begab, sondern vielmehr in einen wahren Arbeitsrausch stürzte: in nur zwölf Tagen wurden die 16 Lieder mit einer Spieldauer von über 74 Minuten geprobt, gespielt und aufgenommen. Die letzte Nummer, "Liebe Grüße" - ein teils punkig gebrüllter, teils feierlich intonierter Hymnus ("Frischgemüse, Krötenteich,/ Kittelfürze tönen weich,/ Tiefgekühlte Töchter bleich,/ Liebe Grüße, schöne Leich"!) -, ist sogar erst vor Ort auf die Welt gekommen.

Der Rest ist in den Wochen und Monaten davor entstanden - und schon bei dem einen oder anderen Live-Auftritt in seiner Wirkung getestet worden. Die Texte stammen allesamt vom Schriftsteller Stefan Slupetzky, der vor allem für seine "Lemming"-Krimis berühmt geworden ist, die Musik großteils vom Jazzer und Theatermusiker Martin Zrost, zwei Lieder vom Gitarristen Thomas Slupetzky, Stefans Bruder.

Es ist erst knapp zwei Jahre her, dass dieses Trio mit seinem Debütalbum "Mit links" die Bühne des wahrlich nicht schlecht ausgestatteten Wienerlied-Theaters im Sturm eroberte. Wobei es - wie zuvor schon Roland Neuwirths Ex-tremschrammeln, die Strottern oder das Kollegium Kalksburg (um nur die bekanntesten Formationen zu nennen) - die engen Text- und Genregrenzen des weinselig-tranigen "Chanson Viennoise" mit sarkastischem Witz und musikalischer Finesse sprengte und innovativ erweiterte. Die besonderen Vorzüge des Trio Lepschi strich die "Wiener Zeitung" schon damals, Ende 2009, hervor: "Anders als bei manchen Dialektkollegen gerät die Platte des Trios (...) nicht nur textlich, sondern auch musikalisch abwechslungsreich, weil neben den üblichen Wiener Versatzstücken, also allerlei schräg Geschrammeltem, auch Bluesig-Folkig-Jazziges erklingt."

Die musikalische Bandbreite ist auf dem nunmehr vorliegenden zweiten Album noch einmal angewachsen. Vor allem der dreistimmige Gesang wird in einer Meisterschaft zelebriert, die ihresgleichen sucht - und sich zumindest in Wien so schnell nicht findet. Mal klingen die Drei wie ein solemner Mönchschor, mal wie die amerikanischen Neofolk-Harmoniker Fleet Foxes. Im Lied "Des Bankl" glaubt man den räudig-raunzigen Tonfall des Willy Resetarits alias Ostbahn-Kurti zu vernehmen, dabei ist es Martin Zrost, der sich dem großen Wiener Rock- und burgenland-kroatischen Volksliedsänger auf erstaunlich verwechselbare Weise annähert. Dafür hat die Wiener Sängerin und "Dudlerin" Agnes Palmisano bei einer Nummer ("Hob mi gean") tatsächlich stimmlich ausgeholfen. (Live wird ihr Part wiederum vom eminent wandelbaren Martin Zrost übernommen, der bei den durchaus kabarettistischen Auftritten des Trios - teils unterhaltsam grantelnd, teils spontan losplaudernd - stets zu großer und aberwitziger Form aufläuft).

Und auch Paul Skrepek (Kollegium Kalksburg) hat im Weinviertel vorbeigeschaut und als Schlagzeuger bei zwei Liedern mitgespielt. Alle anderen Klänge und Rhythmen stammen ausschließlich von den "Slupetzky-Buam" (wie Willy Resetarits sie früher nannte, als sie noch als Duo auftraten) und vom Multiinstrumentalisten Zrost. Stefan Slupetzky ist auf der singenden Säge, die er sich mittels privatem Anschauungsunterricht auf YouTube beibrachte, mittlerweile zu einem virtuosen Musikanten gereift. Als Texter ist er sowieso unschlagbar. Kronjuwel seiner diesmaligen Sammlung ist das in lauter Schüttelreimen verfasste Fußballerlied "Mutterstolz", das nur inhaltlich mit einem Fehlschuss endet: "Jetzt hört man ihn wie Woyzeck grollen:/ Den Ball hätt ich im Kreuzeck wollen!"

 

Gerhard Stöger, "Falter", 18. 1. 2012

"Geh bitte, wia kauma nua so weadn, wie kauma nua so sein, die Buzal san so liab, owa die Leit san so gemein." Mit diesen charakteristischen Worten beginnt "Z Tod gfiacht" (Extraplatte), das zweite Album des Trio Lepschi. Ohne allzu ausgeprägten Glauben an das Gute und Schöne spielen Tomas Slupetzky, Stefan Slupetzky und Martin Zrost moderne Wienerlieder, die durch ihre poetische Sprache wie durch ihre feingliedrige Musik überzeugen.
Die Österreich-Abrechnung "Liebe Grüße" reimt "Grasser" naheliegenderweise auf "Strasser", "Unterweger, Priklopil" aber auch auf "Thujenhecke, Gartengrill"; zwischendurch zeigen Liebeslieder, dass das goldene Wienerherz gar nicht so kalt sein muss, wie man oft glauben möchte: "Ohne di bin a Gulaschsuppm ohne Paprika, drum sei so guad und hob mi gean wiar i di aa." "Des Bankl" führt den Ostbahn-Kurti aus dem Bierzelt in den Jazzkeller, "Lukrezia" wirkt, als würde sich die EAV um das Prädikat "wertvoll" bemühen; das meiste aber klingt einzig und allein nach Trio Lepschi, sprich: nach Wienerliedern, die neu sind und teils doch schon nach Klassikern klingen.

 

Ernst Mitter, "Freistil" 1/2012

Gescheite Texte, Humor mit ("i friss") und ohne Brechstange ("es is hoid so") und die Umsetzung in ein modernes Umfeld aus salonhaften Spontankalauern mit auch textlich komponierten feinen und feineren Subtilitäten, wahren Oden an die Ungerechtigkeiten des Lebens, das hat was, ganz eindeutig, und es macht süchtig. Die Kollegen aus Kalksburg haben dieses Konzept ja schon seit Jahren in Bearbeitung. Aber Trio Lepschi, das ist schlichtweg großartig (...) Mit dabei und ein echter Gewinn: Paul Skrepek als kongenialer Gast an den Fellen. Zwischen Klaumauk, Wienerlied, Chanson und Musikkabarett changiert die CD. Aberwitzig und theatralischer Höhepunkt: die Schlussnummer, "liebe grüsse" – dafür kann man nur danken.